Kaczynskis Kampagnero
Financial Times Deutschland, 9 Oktober 2007Ausgerechnet ein deutscher Marketingprofi will Polens Premier zum Sieg bei der Parlamentswahl verhelfen
Effizient und ehrlich."So lautet der Slogan, zu dem Premier Jaroslaw Kaczynski auf dem riesigen Plakat von der R??ckseite eines Hochhauses in Warschau l?¤chelt. Der Parlamentswahlkampf in Polen geht derzeit in die hei??este Phase. Viele Beobachter erwarten, dass die Kaczynski-Br??der Jaroslaw und Lech die Regierungspartei PiS bei der Wahl in knapp zwei Wochen erneut zum Sieg f??hren.
Das ist auch Roland Sprungs Mission. Der 49-j?¤hrige Hesse ber?¤t die PiS mit seiner Warschauer Agentur SPC House of Media bei ihrer Wahlkampfkampagne. Der Marketingfachmann sucht die besten Pl?¤tze f??r Plakate aus, sagt den Parteistrategen, wie sie ihr Budget verteilen sollen â?? und zu welcher Sendezeit Wahlspots im Fernsehen am besten wirken.
"Wir machen wie jede Mediaagentur den kaufm?¤nnischen Teil der Werbekampagne", sagt Sprung. Seit 1993 lebt der Manager in Warschau, zusammen mit seiner polnischen Frau Anna hat er einen kleinen Sohn. In seiner Agentur im Stadtteil Mokotow besch?¤ftigt er f??nf polnische Mitarbeiter. Erhalten habe er den Auftrag ganz regul?¤r, sagt Sprung, der fr??her f??r die Bertelsmann-Tochter Ufa in Polen arbeitete. Die PiS hatte einen Wettbewerb ausgeschrieben. Ein Deutscher als Wahlkampfmanager f??r die nicht gerade als ??berm?¤??ig germanophil bekannten Kaczynski-Br??der? "Ich habe nicht den Eindruck, dass meine Herkunft hier f??r irgendjemand ein Problem ist", sagt Sprung. Im ??brigen gebe es doch nur ein paar Streitpunkte zwischen beiden L?¤ndern. Und das sei alles.
Direkten Kontakt zu den Kaczynskis hat Sprung nicht. Die Kommunikation mit dem Wahlkampfteam ??bernimmt ein polnischer Mitarbeiter. Dass Sprungs Auftraggeber in seinem Heimatland ein schlechtes Image haben, ist ihm klar. "Das ist auch nicht gut f??r Polen â?? wir w??rden gerne daran arbeiten, dass es besser wird." Aber auch eine andere Diagnose kann sich der Marketingexperte nicht verkneifen: "Wenn das ganze Land so gut organisiert w?¤re wie dieser Wahlkampf, dann g?¤be es in Polen kaum Probleme." Sebastian Becker

