Werber und Designer entdecken Osteuropa
Nach der EU-Erweiterung beleuchten gleich zwei Hamburger Spitzen-Veranstaltungen die Perspektiven für Engagements im Ausland.
Hell leuchtet der Osten: Mit der Anfang Mai erfolgten Erweiterung der EU sind die mittel- und osteuropäischen Staaten erneut in den Mittelpunkt des Interesses gerückt - auch für Unternehmen aus der Medienbranche. Deutsche Großverlage sind längst in Polen, Ungarn und andere Ländern jenseits des ehemaligen Eisernen Vorhangs vertreten, aber auch Werbe- und Designfirmen haben sich in Richtung der aufgehenden Sonne in Bewegung gesetzt, um von den boomenden Märkten zu profitieren.
Hamburger Kommunikationsfirmen sind ebenfalls auf dem Sprung: So kündigte die PR-Agentur Fischer-Appelt unlängst an, ein Büro in der russischen Hauptstadt Moskau eröffnen zu wollen. Andere sind schon da: Die Kreativ-Agentur Scholz & Friends unterhält bereits zahlreiche Büros zwischen Kiew und Prag.
Zu den Osteuropa-Pionieren darf sich mit Fug und Recht auch der Hamburger Designer Lothar Böhm zählen, der mit einem eigenen Büro in Warschau vertreten ist. Seit der offiziellen Gründung im Jahr 2000 legt die polnische Tochter jährlich zweistellig zu, macht mittlerweile einen Umsatz von über einer Million Euro und beschäftigt 20 Mitarbeiter. Zu den Kunden des hanseatischen Packaging-Spezialisten zählen große westliche Markenartikler wie Unilever und Nestlé, aber auch der größte polnische Lebensmittelkonzern Maspex.
"Wir wollten schon länger ins Ausland gehen und haben uns vor etwa sechs Jahren zunächst die Märkte in Ostasien angeschaut", berichtet Böhm. "Auf Grund der großen Entfernung haben wir uns dann aber doch entschlossen, in Europa mit der Internationalisierung zu beginnen." Den Schritt hat der Designer nicht bereut: "Während in Deutschland nur noch ein Verdrängungswettbewerb stattfindet und sich die Agenturen gegenseitig Marktanteile abjagen, wächst der Markt in Polen deutlich."
Wer in Osteuropa Erfolg haben will, sollte allerdings einige Regeln beachten. So sei es wichtig, auf "Political Correctness" zu achten, wie Böhm es ausdrückt: "Wir sind da nicht rübergegangen nach dem Motto: Wir zeigen denen jetzt mal, wo der Hase läuft." Von Anfang an habe man mit polnischen Designern und Beratern gearbeitet und den Nachwuchs vor Ort rekrutiert. "Das ist uns positiv angerechnet worden." Heute ist Lothar Böhm die Nummer eins der Packaging-Agenturen im bevölkerungsreichsten Land unter den neuen EU-Mitgliedern. Der Designer aus Hamburg meint: "Die Polen haben schnell gelernt, was eine Marke ausmacht und was gutes Design dazu beiträgt."
Nach Böhms Einschätzung ist Osteuropa als Markt noch für alle Arten von Agenturen interessant, ob sie nun aus dem Design, der klassischen Werbung oder dem Direktmarketing kommen. Allerdings: "Wer in den Osten gehen möchte, sollte sich jetzt sputen."
Gleich zwei aktuelle Veranstaltungen zum Thema Marketing im Ausland können sich Hamburger Medien-Manager in ihrem Kalender notieren. So findet im Rahmen der diesjährigen Fachmesse Marketing Services am 13. Mai eine Diskussion über Chancen und Perspektiven eines Engagements in Osteuropa statt. Auf dem Podium sitzen unter anderen Jan Herzman, der Vorsitzende der Tschechischen Marketinggesellschaft, der einen Überblick über den osteuropäischen Werbemarkt gibt, und Roland Sprung, Gründer und Inhaber von SPC House of Media, der über den Markteinstieg deutscher Unternehmen in Polen referiert.
Unter dem Titel "Marketing goes International" beleuchtet der Kommunikationskongress Hamburger Dialog dann am 18. Mai im CCH die Potenziale für Werbetreibende und Werbedienstleister in den wachsenden Auslandsmärkten. Spezialisten für die Regionen Asien, Lateinamerika und Osteuropa erklären in der Veranstaltung, für welche Firmen sich der Schritt über die Grenzen lohnen könnte, wie man ausländische Partner findet und auf welche kulturellen Besonderheiten zu achten ist, um Marketing-Katastrophen zu verhindern. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit der Handelskammer Hamburg statt.
Cornelis Rattmann
